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09. July 2005 12:24
Der Mann, der das gute alte Telefon revolutionierteVon Gerrit StolteOber-Eschbach. Wenn Sie einmal bei der Firma Clarity AG anrufen sollten: Legen Sie bloß nicht gleich erschrocken wieder auf!
Den Hörer wird dort nämlich kein Mensch aus Fleisch und Blut abnehmen. Der Anrufer wird von einer – durchaus freundlichen – Computerstimme begrüßt: «Clarity Contact Manager. Hallo. Wen möchten Sie sprechen?» Denn natürlich wird bei Clarity das eigene Produkt verwendet: eine virtuelle Telefonzentrale mit Spracherkennung. Unter anderem dafür ist der Vorstandschef des Unternehmens, Christoph Pfeiffer, jetzt von den Volks- und Raiffeisenbanken in Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen mit dem Unternehmenspreis «Innovativer Mittelstand 2005» ausgezeichnet worden.
«Natürlich haben wir noch eine Telefonzentrale, aber nach der Einführung unserer Software ist der Arbeitsaufwand deutlich zurückgegangen», erzählte Pfeiffer im Gespräch mit der TZ. Vor allem die oft zeitintensiven Vermittlungsversuche fallen seither nicht mehr an. «Unsere Mitarbeiter haben deshalb mehr Zeit für produktive Aufgaben.» Letztlich werden alle ein- und ausgehenden Anrufe bei Clarity von der Software bearbeitet. Sowohl für den Hersteller als auch für deren Kunden – unter anderem auch das Finanzamt Bad Homburg – hat die Lösung einen großen Vorteil: «Telefonanlage und Computersysteme sind bei uns integriert, alles kann bei der Änderung der Mitarbeiterzahl angepasst werden und kann mit neuen Technologien erweitert werden.»
Vor fünf Jahren hat Pfeiffer seine Firma gegründet. Die Zeichen stehen seither, trotz globaler und nationaler Wirtschaftskrise, auf Wachstum: «Wir haben jedes Jahr Umsatzsteigerungen von 100 Prozent», freut sich der Chef über die gesunden Aussichten seines Unternehmens. In diesem Jahr rechnet Pfeiffer bei einem Umsatz von rund fünf Millionen Euro erstmals mit einem kleinen Betriebsgewinn. An der Börse ist Clarity übrigens nicht geführt, dennoch handelt es sich bei dem Unternehmen um eine Aktiengesellschaft. «Wir haben Anteilseigner, die uns auch in Fragen der Kapitalbeschaffung sehr gewogen sind», erklärt Pfeiffer.
Die gesunde finanzielle Situation hilft natürlich auch bei der Entwicklung neuer Produkte. Pfeiffer erwartet in Zukunft eine noch stärkere Automatisierung der Kommunikation. «Es wird sprachgesteuerte Internetbrowser geben, immer mehr Menschen werden ihren Tag und ihre Einkäufe mit einem Knopf im Ohr planen und verbringen», prognostiziert Pfeiffer. Jüngst hat Clarity auch ein sprachgesteuertes Navigationssystem für Autos in Betrieb genommen.
In sieben Ländern ist Clarity mittlerweile ansässig, unter anderm auch im Wachstumsmarkt China, mit einem Büro in Schanghai. Nächstes Ziel ist die Etablierung in Indien. «Sowohl für die Entwicklung von Software wie auch als Absatzmarkt», betonte Pfeiffer. «Die Wachstumsraten bewegen sich hier zwischen 30 und 100 Prozent.», erklärte er die Motivation für diesen Schritt.
Trotz Wachstums und Internationalisierung will Pfeiffer mit seiner Firma aber weiterhin in der Kurstadt bleiben. «Wir haben hier einfach ideale Voraussetzungen gefunden, auf die wir auch in Zukunft nicht verzichten wollen», verspricht Pfeiffer. «Ich brauche einfach Natur, wenn ich aus dem Fenster schaue.» |
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