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19. April 2001 10:26
Clarity-Chef Christoph Pfeiffer: Voice Portals so wichtig wie UMTSChristoph Pfeiffer: "Grafische Darstellungen auf dem Handy und gezielte Dialoge am Telefon ergänzen sich zu audio-visueller Kommunikation"
CeBIT-PK "Internet ohne PC": 23. März 2001, 13.00 Uhr, Halle 1, Saal London In fünf Jahren werden mehr Menschen so genannte Voice Portals nutzen als über eine grafische Benutzeroberfläche auf das Internet zugreifen, prognostiziert Christoph Pfeiffer, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Clarity AG, die unter der Telefonnummer 01908-1-22-333 eines der ersten universellen Sprachportale Deutschlands betreibt. Gestützt auf Studien internationaler Marktforschungsgesellschaften erwartet er, dass schon im Jahr 2005 mehr als zwei Milliarden (!) Menschen weltweit per Sprache Informationsdienste nutzen und Transaktionen durchführen werden. "In fünf Jahren wird mehr als die Hälfte aller Telefonnutzer weltweit Web-basierte Sprachportale nutzen, obgleich ihnen das nicht in allen Fällen klar sein wird", sagt Christoph Pfeiffer. Die Marktforschungsgesellschaft US-Kelsey Group schätzt, dass bis dahin mehr als zehn Mrd. US-Dollar über Voice Portals umgesetzt werden. "Das Sprechen mit dem Computer, wie wir es aus ,Raumschiff Enterprise´ kennen, kommt einer idealen Benutzerführung viel näher als die Maus oder der Zeigestift", begründet Voice Portal-Visionär Christoph Pfeiffer sein Zukunftsszenario: "Maus und Stift waren nur Krücken, die wir brauchten, solange die Sprachverarbeitung noch in den Kinderschuhen steckte." Mit dem Aufkommen der Voice Portals wird der PC laut Pfeiffer seine Dominanz als Internet-Zugangsgerät verlieren. Den über zwei Milliarden Festnetz- und Mobiltelefonen Mitte des Jahrzehnts soll bis dahin ein Weltbestand von maximal 400 Millionen PCs gegenüber stehen. Um den Internetzugang ohne PC zu fördern, hat Clarity gemeinsam mit Aventeon, fileants, Jamba! (debitel, MediaMarkt/Saturn, ElectronicPartner), Samsung, space2go (Siemens) und Xcelerate die Initiative "Internet ohne PC" gegründet. Der Massenmarkt für Voice Portals wird nach Meinung Pfeiffers von zwei Entwicklungen bestimmt: dem Trend zum mobilen Internet und den technologischen Verbesserungen bei der Sprachverarbeitung. Der Clarity-Chef: "Die Zukunft der Mobilbranche liegt in der audio-visuellen Kommunikation. Für die Eingabe ist die Sprachsteuerung oft das bessere Medium, für die Ausgabe insbesondere komplexer Informationen bietet sich das Display zumindest als Ergänzung zur Sprachausgabe an. Viel einfacher und bequemer als das Eintippen auf Minitastaturen ist es, wenn man unterwegs eine Nummer anrufen und mündlich erklären kann, welche Informationen oder Services man braucht - von der simplen Reservierung eines Hotelzimmers bis hin zu umfangreichen Recherchen zum Beispiel darüber, wo am nächsten Wochenende was los ist in der Stadt. Das Display kann Zusatzinformationen wie beispielsweise einen Videoclip liefern, aber der grundlegende Service findet besser per Sprache statt." "Voice Portals und UMTS bieten im Grunde die gleichen Dienste an und werden daher heftig um Marktanteile streiten", formuliert Ben Donelly, Mobilfunkexperte bei der Marktforschungsgesellschaft Frost & Sullivan. Künftig werden einfache Abfragedialoge - etwa nach Börsenkursen, dem Kinoprogramm, dem Wetterbericht oder einer Telefonauskunft - über Sprachcomputer abgewickelt werden, meint Voice Portal-Visionär Christoph Pfeiffer. Als ein erstes Live-Beispiel nennt er die Nürnberger Kinoauskunft (Tel. 09131-6166116), in der die von Clarity verwendete Sprachdialogtechnologie zum Einsatz kommt. Kompliziertere Anfragen werden durch Live-Operator in den Call-Centern vorgenommen, ist sich Christoph Pfeiffer sicher. Als Beispiel hierfür führt er die Clarity-eigene Internet-Auskunft (Tel. 01908-1-22-333) an. Wer dort anruft, wird mit einem Clarity-Broker verbunden, den man "ferngesteuert" im Internet surfen lassen kann, um Informationen zu recherchieren und Transaktionen durchzuführen. Clarity hat hierfür eine neue Software entwickelt, mit der das Internet nach Themen geordnet vorstrukturiert wird. Dadurch lassen sich Informationen bis zu tausend Mal schneller recherchieren als mit herkömmlichen Internet-Suchmaschinen. Künftig wird diese Recherchesoftware auch per Sprachsteuerung nutzbar sein, so dass sich selbst komplexe Abfragen automatisieren lassen. Voice Portal-Vorreiter Christoph Pfeiffer sieht im Sprachportal auch "die Chance, die digitale Spaltung der Gesellschaft abzuwenden". Begründung: Die Anschaffung selbst eines billigen PCs für den Internetzugang kostet immer noch mindestens 1.000 Mark und kommt damit für weite Teile der Bevölkerung nicht in Frage. Ein einfaches Telefon kostet hingegen weniger als 20 Mark; ein Internetzugang über Sprachcomputer kann ebenfalls "äußerst preiswert" realisiert werden, sagt Pfeiffer. Der Clarity-Chef kann sich auch werbefinanzierte Sprachportale gut vorstellen, die für den Nutzer völlig kostenlos sind ("Dieser Wetterbericht wird Ihnen heute von der Firma ABC präsentiert!"). Auch die Commerce-Finanzierung ist ein mögliches Geschäftsmodell: Wer etwas kauft, darf gerne kostenfrei anrufen. Clarity-Visionär Christoph Pfeiffer will verdeutlichen, dass man die Idee einer 100-prozentig perfekten Sprachverarbeitung als Voraussetzung für Voice Portals aufgeben muss. Er vergleicht das mit dem Konzept der Verarbeitung von handgeschriebener Schrift: "Apples Newton war ein Flop, weil das Unternehmen versucht hat, Handschriften zu 100 Prozent zu verstehen. Palms PDA ist ein Erfolg, weil Palm von Anfang an nur auf 80-prozentige Perfektion gesetzt hat und dafür eine vereinfachte Schreibweise eingeführt hat", erläutert Pfeiffer. Ähnlich sei es bei der Sprachverarbeitung: "Einfache Auskunftsdienste funktionieren heute schon gut mit Spracherkennung, für philosophisches Fachsimpeln hingegen sollte man sich besser ein menschliches Gegenüber suchen." Eine Schlüsselrolle bei der "Versprachlichung" des Internet wird nach Einschätzung Pfeiffers die Voice eXtended Markup Language (VoiceXML) spielen. Sie basiert auf dem XML-Standard und hat die Aufbereitung der in XML dargebotenen Informationen für die Sprachausgabe und Sprachsteuerung zum Inhalt. Die Personal Digital Assistants (PDA) der Zukunft werden nach Ansicht Pfeiffers als "Personal Avatars" im Netz agieren. "Der Avatar ist wie ein persönlicher Assistent, den man anruft und mit Aufträgen versorgt. Man sagt, welche Eintrittskarten man haben will, welche Lebensmittel nach Hause geliefert werden sollen oder was auch immer - der Avatar kümmert sich darum", entwirft Christoph Pfeiffer Zukunftsskizzen. Der Clarity-Chef räumt ein: "Das klingt zwar alles noch etwas futuristisch. Aber es hätte sich ja auch niemand träumen lassen, dass die Handys mal kleiner werden als der bei ,Raumschiff Enterprise´ verwendete Communicator." Clarity bietet sein Voice Portal mit Sprachcomputer und Live-Operator heute schon Unternehmen an, die ihren eigenen Kunden einen Sprachzugang offerieren wollen. Clarity liefert den Service im ASP-Modell (Application Service Providing) einsatzbereit auf Basis der neuesten Technologien für Knowledge Retrieval und Speech Processing. Das Sprachdialogsystem ist mit dem "European Technology Prize 2001" der Europäischen Kommission ausgezeichnet worden. |
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