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29. November 2003 16:35
ZDFheute: Die vollautomatische TaxizentraleSystem verbindet Sprachdialog mit Ortungstechnologie und Anrufweiterleitung![]() von Katrin Meyer
"Herzlich willkommen bei Taxifon, sollen wir Sie am Kurfürstendamm 31 abholen?" Diese Frage könnte bald nicht nur in Berlin, Hamburg, Hannover und München zu hören sein, wenn man ein Taxi ruft. Taxifon, hinter dem sich eine vollautomatische Taxizentrale verbirgt, will nun endlich bundesweit expandieren.
Egal, ob der Kunde gerade vom Theater, einem Kino oder seiner Wohnung aus anruft: Die vollautomatische Taxizentrale weiß schon beim ersten Klingeln, wo der Anrufer ist. Nun muss man nur noch mit dem Spracherkennungssystem abklären, ob man auch wirklich da abgeholt werden will, wo einen das System geortet hat. Der Auftrag wird an das Taxi weitergeleitet, was dem Aufenthaltsort am nächsten ist. Dieses Taxi bezahlt Taxifon schließlich für seine Vermittlung. "So sieht das Ideal-Modell aus", erklärt Markus Semm, Hauptgesellschafter von Taxifon.
Doch hapert es bei der Umsetzung an mehreren Ecken. Zum einen gab es nach Angaben von Semm Probleme mit der Technik, zum anderen wurde Taxifon mit einer Reihe von Klagen und einstweiligen Verfügungen überhäuft.
Auftrag an Taxizentralen verkauft
Ursprünglich war das Projekt Anfang 2002 so geplant, dass Taxifon über eine bundesweit einheitliche Nummer quasi den Anruf annimmt, dabei den Aufenthaltsort des Anrufers ermittelt und ihn an eine nahegelegene der über 5000 Taxizentralen oder Taxiunternehmen in Deutschland weiterleitet. "Taxifon hätte die Marketingleistung erbracht und die Auftragsannahme, und den Auftrag dann an eine Taxizentrale verkauft", so Semm. Doch die Taxizentralen stellten sich quer. "Sie haben das Modell nicht als gute Symbiose gesehen, sondern uns als Wettbewerber", erläutert Taxifon-Chef Semm. Christoph Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der Clarity AG, die an der Entwicklung der vollautomatischen Taxizentrale beteiligt war, fügt hinzu: "Die Taxi-Zentralen haben weiter gedacht und hatten Angst, dass Taxifon die Preise diktieren könnte."
Letztlich sei Anfang November gerade der letzte Prozess zu Gunsten von Taxifon ausgegangen, so Semm. "Jetzt haben wir Rechtssicherheit und können bundesweit loslegen. Wir müssen dem Fahrgast nur sagen, an welche Taxizentrale wir ihn vermitteln."
Eigene Infrastruktur aufgebaut
Die Taxi München eG, einer der klagenden Taxizentralen, sieht es als Erfolg an, das ganze Projekt verzögert zu haben. Zudem dürfe Taxifon sich nicht mehr als bundesweiten Taxiruf bezeichnen, erklärt Hans Meißner, Vorstand von Taxi München. "Wenn er bei uns vermittelt, können wir nichts dagegen machen - solange Taxifon keine marktbeherrschende Stellung hat." Das werde er selber aber nicht mehr erleben, so Meißner. "Taxi-Service ist nicht so einfach: Er ist sehr individuell und muss schnell sein."
In der Klagezeit - immerhin fast zwei Jahre - hat die Berliner Firma nicht nur abgewartet, sondern zusammen mit der Sprachtechnologiefirma Clarity aus Bad Homburg die vollautomatische Taxizentrale entwickelt. "Eigentlich wollten wir die Infrastruktur der Taxizentralen nutzen, um die einzelnen Taxis zu orten. Dann hätte das Projekt 10.000 Euro gekostet", erklärt Semm. So baute Taxifon für 150.000 Euro eine eigene Infrastruktur auf. Zusätzlich muss jedes Taxi mit einem Ortungsgerät ausgestattet werden, was mit 600 bis 700 Euro zu Buche schlägt. Möglich ist dies, weil einige Taxi-Unternehmer anders als die Taxizentralen mit Taxifon zusammenarbeiten.
Verbindung zum Taxifahrer möglich
Die vollautomatische Taxizentrale kommt nun mit Sprachcomputer und Fahrzeugortung daher. Das System erkennt, von welcher Adresse der Anruf kommt. Kommt die Bestellung von einem Mobiltelefon, muss eventuell der Computerstimme noch der aktuelle Aufenthaltsort mitgeteilt werden, wenn die Mobilfunkfirma den Standort nicht preis geben will. Während der Sprachcomputer nachfragt, ob der Kunde auch wirklich dort abgeholt werden möchte, von wo aus er anruft, ermittelt das System, welcher Wagen der Abholadresse am nächsten ist. Dazu haben die Taxis die Ortungsmodule an Bord. Der betroffene Fahrer erhält einen Datensatz auf seinen PDA und weiß, wo er als nächstes hinfahren soll. Bei Bedarf, kann der Kunde auch noch direkt zum Taxifahrer weiterverbunden werden, um eventuelle Details zu besprechen. "Bei der automatischen Taxizentrale haben wir Sprachdialog, Ortungstechnologie und Callrouting bzw. -forwarding miteinander verbunden", erklärt Clarity-Gründer Pfeiffer.
Doch auch die Technik bereitet Semm nach überstandenen Prozessen noch ein wenig Kopfzerbrechen. "Wir mussten Clarity leider gegen ein anderes Softwarehaus austauschen, weil die Sprachapplikation von denen überhaupt nicht funktionierte", erläutert Semm. Dies bedeutete eine weitere Verzögerung von fünf bis sechs Monaten, wo man doch eigentlich im Sommer starten wollte. Semm ist nun optimistisch, dass Anfang des Jahres 2004 die Infrastruktur komplett steht und bundesweit freigeschaltet werden kann.
Clarity: Taxifon-Geschäftsmodell unklar
Aus Bad Homburg sind dagegen andere Töne zu hören: "Nachdem nach den ganzen Prozessen das Geschäftsmodell unklar ist und nicht mehr so funktioniert, will Herr Semm ein wenig Geld sparen", erklärt Claritys Vorstandsvorsitzender Pfeiffer. Deshalb versuche er Argumente zu finden, um aus dem Vertrag mit Clarity rauszukommen. Pfeiffer zieht einen Vergleich zur Lkw-Maut: "Bei der Lkw-Maut steht das Geschäftsmodell, aber die Software nicht, bei der vollautomatischen Taxizentrale dagegen ist die Software fertig und könnte morgen aufgeschaltet werden, aber das Geschäftsmodell nicht", so Pfeiffer.
Für Pfeiffer ist es offen, ob die vollautomatische Taxizentrale kommt oder nicht. Er hat auch noch keine Informationen darüber, dass die Prozesslawine nun wohl beendet ist. Der Clarity-Gründer betont jedoch, dass bis auf einige Datenbankanwendungen das ganze System aus Bad Homburg komme. Eine vollautomatische Taxizentrale ist ohne Clarity dann wohl kaum vorstellbar. |
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